Wieder Thailand, nur ganz anders

Frühstück auf thailändisch - in der McDonalds-Variante: Chicken-Porridge mit Ei und Thaigras, dazu keine Apfel- sondern eine Eiertasche.

Frühstück auf thailändisch – in der McDonalds-Variante: Chicken-Porridge mit Ei und Thaigras, dazu keine Apfel- sondern eine Eiertasche.

Da sitze ich also wieder in Bangkok. Ganz plötzlich, so kommt es mir vor. Momentan warte ich darauf, dass ich mein Hotelzimmer beziehen darf. Nichts brauche ich gerade dringender, als ein eine Dusche und ein Bett. Von den vergangenen 45 Stunden habe ich nämlich nur zwei geschlafen. Kein Wunder, dass mir Bangkok so surreal vorkommt. Wobei das Bild, das sich mir just in diesem Moment bietet, auch wirklich grotesk ist: Ich sitze bei McDonalds und alle anderen Tische sind besetzt. Jeder – aber wirklich ausnahmslos jeder Gast ist primär mit seinem Handy beschäftigt, nebenbei vielleicht mit Essen oder seinem Gegenüber. Die Smartphone-Manie ist hier definitiv noch krasser als in Deutschland.

Nun muss ich aber warten. Also der Reihe nach: Dass ich lange vier Wochen nicht gebloggt habe, lag zunächst mal daran, dass mir nichts mehr erzählenswert erschien. Auch mein Witwer-Alltag dreht sich eben in Schleifen. Und irgendwie kommt alles so, wie es andere Trauernde auch schon beschrieben und prophezeit haben. Mal habe ich gute Tage, dann wieder schlechte, mal lähmt mich jeder Gedanke an Johannes, mal treibt mich der Trotz an. Auch das folgende Bild stammt nicht von mir, ich kann es aber bestätigen: Die Trauer ist wie ein großer Felsbrocken, der einem im Weg liegt. Um voranzukommen, muss man ihn abtragen, Schicht für Schicht. Am Ende bleibt nur ein handlicher Stein übrig, den man einstecken und fortan mit sich herumtragen kann. Neulich war es mir, als hätte ich den Kiesel schon in der Tasche. Wenig später merkte ich, dass der dicke Brocken doch noch da ist.

Eine Woche lang hatte ich gute Ablenkung durch Besuch aus London. Männlich, niedlich, lieb und mir sehr zugewandt war er. Das hat vor allem mal gut getan. Auch wenn ich gleichzeitig gemerkt habe, wo meine Grenzen emotional doch noch sind. Sobald da so etwas wie Bindung oder Verbindlichkeit aufkommt, schrecke ich zurück. Nicht dass mich das wundern würde.

Ansonsten drehen sich meine Gedanken und Sorgen aber ganz überwiegend um meine berufliche und finanzielle Zukunft. Seit gestern bin ich offiziell in Wiedereingliederung. Die Kasse zahlt nur noch einen Teil des Krankengeldes, den Rest darf mein Arbeitgeber tragen. Der bin ich nun zufällig selbst, also heißt die Regelung einfach nur: weniger Geld. Dafür mit der Option, nun auch arbeiten zu dürfen. Womit wir langsam zu Bangkok kommen. Denn diesmal ist alles anders als im Oktober.

Ich bin hier auf Geschäftsreise. In den vergangenen Wochen ist mein Entschluss gereift, den Faden mit „dreikraut“ wieder aufzunehmen, der mir im vergangenen Jahr aus den Händen geglitten ist. dreikraut e.K., wer es nicht weiß, ist der Name unter dem ich mit Naturprodukten handeln will, vornehmlich mit besonderen Tees. Vor genau einem Jahr habe ich das Projekt gestartet, im Handelsregister eintragen lassen, viel Geld in erste Einkäufe gesteckt – und dann ruhen lassen, als sich die Krankheit zuspitzte.

Inspiration für dreikraut war – wie könnte es anders sein – mein geliebter Mann. Seine vielschichtige Behandlung bestand unter anderem ja auch aus Weihrauch, Kurkuma und Matcha-Grüntee, die er begleitend einnahm. Alle drei aus guten Gründen. Alle drei hatte ich deshalb zunächst importiert. Und immerhin: Meine dreikraut-Weihrauchkapseln gibt es jetzt schon auf Amazon – und ich kann mit Stolz sagen, dass ich jeden Teil der Herstellung selbst in der Hand habe und mit Sicherheit ein gutes Produkt hinbekommen habe. In den kommenden 13 Tagen werde ich nun in den äußersten Norden Thailands reisen und nach Bezugsquellen für Tee suchen. Dazu in Kürze mehr.

Johannes habe ich sicher im Gepäck. Er ist nicht nur mit dem Anfang dieses Unternehmens verbunden, sondern auch mit seiner Zukunft. Auf dem Sterbebett hat er gegenüber seinen Eltern zu Protokoll gegeben, er wünsche mir „einen Erfolg.“ Er war zu diesem Zeitpunkt schon in jener Welt zwischen Leben und Tod, nicht mehr ganz er selbst. Dennoch hallen die Wort in mir nach. Was für einen Erfolg, haben meine Schwiegereltern gefragt. „Das ist gleich.“ „Ach, damit er stolz auf sich sein kann?“ „Ja genau.“

2 Comments

  1. Claudia Opitz

    19. März 2016 at 22:59

    Lieber Erik,

    JETZT… du weisst, dass das HIER und JETZT eine grosse Rolle in meinem Leben spielte und spielt…
    antworte ich dir, obwohl ich es schon gestern gelesen habe… Aber manche Gedanken und Erkenntnisse und vor allem die damit empfundenen GEFÜHLE brauchen einfach ihre Zeit…

    Du bist jetzt hoffentlich ausgeschlafen und vielleicht schon auf dem Weg in den Norden ?
    Jaaa, unsere geliebten „Gegangenen“….

    SCHÖN, das Johannes dir einen ERFOLG wünschte… und du ihn ANGENOMMEN hast.Damit eigentlich schon den ERFOLG hast, weil du dich auf den WEG emacht hast und berechtigter Weise auch denkst , dass diese Kombination für viele eine LEBENSQUALITÄT bringen wird…

    Ich möchte dir GERNE eine andere Sichtweise der Trauer vorstellen…
    Ein Stein , gar ein Felsbrocken ist doch ziemlich hart und nicht flexibel… Sehr , sehr mühevoll und ENERGIE RAUBEND ihn „kleiner zu machen“…
    Vielleicht kannst du dir vorstellen, die Trauer a sich als einen OZEAN vorzustellen…
    ein MEER an GEFÜHLEN… Manchmal ist das Meer glatt und du kannst dich sogar auf den Rücken legen… und einfach treiben lassen…
    Dann kommt aber bBewegung in das Meer, vielleicht sogar ein Sturm auf…
    Du weisst genau, dass du in ein Wellental hinein katapultiert wirst… Du gehst sehr tief in dieses Gefühl… und an einem sehr tiefen Punkt wirst du ja wieder ENMPOR getragen von der nächsten Welle… Ein fach empor getragen…

    Haaaahhh … und dann bist du auf dem WELLENKAMM… Du „surfst“ mit sehr VIEL WEITBLICK … auf diesem Wellenkamm der Gefühle … DU empfindest sogar Freude … Wie du es wohl bei deinem Besuch aus London EMPFUNDEN hast…
    allerdings mit dem wissenden EMPFINDEN, dass es wieder ein WELLENTAL gibt… Wenn du innerlich das Ver-TRAUEN in DIR hast, das du IMMER , fast schwerelos… mit der nächsten Welle EMPOR genommen wirst… und dann der nächste Wellenkamm KOMMT … mit noch mehr EIN-SICHTEN… dann kannst du dich durchaus über JEDEN BESUCH freuen…
    In der Regel bedarf es einer Zeit, bis man wirklich sein Herz für einen anderen Menschen VÖLLIG öffnen kann…

    Es sei denn… und da wird es mal wieder spirituell… und gleichzeitig auch durchaus wissenschaftlich… Bewiesen durch die Quantenphysik …

    Du spürst DIE ENERGIE und die FREQUENZ die jede KLEINSTE dieser aber-Billarden… EINE unermessliche Zahl von Billiarden Zellen… bis in die tiefsten Tiefen des Universums EIN- und GLEICH-ZEITIG aber auch AB-GIBT…

    Wenn wir diese EIN-Sicht tatsächlich an-nehmen… dann gibt es tatsächlich keinen Tod… kein Vergehen… sondern nur Wandlung und damit sogar eine FREUDE in der Trauer als EIN- GEFÜHL…

    Ich habe gerade diese Erkenntniss gewonnen , weil Burkard ja am 23.03. vor drei Jahren „gegangen“ ist… und zwar durch die Musik…
    Ich muss das hier wirklich auch schreiben, weil es mich einfach überwältigt hat .. dieses Gefühl… MUSIK ist IMMER GEFÜHL…IMMER
    Es ist die Ode an die Freude von Beethovens 9. Symphonie…

    Ich habe fest gestellt, dass diese Töne und der Gesang,… es ist völlig egal in welcher Version und vom wem es gespielt wird, auf den Einspielungen bei youtube… die Menschen immens berührt… tatsächlich zu Tränen und Mimiken der Trauer und der FREUDE gleichzeitig … immer waren sie BEWEGT…
    Warum? Weil Beethoven das HERZ mit all seinen LIEBES-Schwingungen erreicht hat…
    lächel…
    ich LEGE es DIR und eigentlich ALLEN Menschen einmal sehr ans Herz… sich verschiedene flash mob Versionen darüber anzusehen…

    und das darin besungene HEILIGTUM … ein ENERGIEORT ohne Grenzen… kann von „uns“ und von „unseren Gegangenen “ besucht werden …
    da eh ALLES GRENZENLOSE ENERGIE ist…
    und dadurch …

    lieber Erik,
    ist die LIEBE einfach auch grenzenlos… REINSTE Schwingung… zu lebenden Menschen und geliebten Menschen im angeblichen „Da- Sein“…..

    Ich wünsche DIR und MIR und ALLEN Menschen hier auf Erden..
    „let it flow“…

    Deine Freundin Claudia in universeller LIEBE verbunden mit ALLEM, was IST…
    und ..lächel… was das IST ist… habe ich versucht hier zu beschreiben…
    P.S.
    ich wollte die Ode an die Freude nicht hier reinstellen, weil es DEIN Blog ist…

  2. Hab eine gute Zeit in Thailand und pass auf Dich auf!! Immer in Sorge und trotzdem zuversichtlich – Andrea

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