Tag: Royal Caribean

Die Reise in Bildern

Von meinen ersten Tagen in Bangkok ist – mangels Smartphone – leider wenig dokumentiert. Gleiches gilt für Singapur, doch da war’s  mir ohnehin zu heiß und zu schwül (nebenan in Indonesien brannten zudem die Wälder, es roch also auch noch schlecht) – da habe ich wenig unternommen.  Auf dem Schiff durfte ich mir dann aber Rainers Super-Kamera ausleihen. „Dann benutzt die wenigstens mal jemand“, meinte er. Stimmt: Kaum an Land, hatte ich sie im Anschlag. Von den fast 800 Fotos, die dabei herausgekommen sind, habe ich hier mal ein Zehntel zusammen gestellt (Texte wie immer in der Vollansicht).

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Unterwegs mit Johannes

Wo ist eigentlich Johannes geblieben? Während der ersten Chaostage in Bangkok habe ich tatsächlich nur wenig an meinen geliebten Mann gedacht. Zu sehr war ich da mit meinen praktischen Problemen und dieser betörenden, fremden Stadt beschäftigt. Ab und zu ist er in mir kurz aufgeblitzt, wenn ich Dinge getan habe, die prädestiniert waren für uns beide. Etwa, als ich alleine am Sushi-Karussel saß und mir die bunten Teller geangelt habe. Oder bei der Fahrt mit dem Longtail-Boot durch Bangkoks Kanäle. Da hatte ich plötzlich einen Moment des ruhigen Genießens – und sofort fehlte mir Johannes schmerzhaft. Zum ersten Mal nach etwa einem halben Jahr war ich auch wieder im Fitnessstudio. In unser Stamm-Studio in Vohwinkel habe ich es noch nicht geschafft, dafür war ich dann in Bangkok bei Fitness First. Bei dem Training mit Blick auf die dunstige Skyline war er auf Schritt und Tritt dabei, zumal die Übungen an den Geräten immer etwas nach innen gekehrtes sind.

Einen denkwürdigen Moment hatte ich, als ich mehrere Stunden lang mit einem charmanten, jungen Philippino sprach, der als Grundschullehrer in Bangkok arbeitet und mir nachts in einem einschlägigen Etablissement begegnet war. Auf einem Schaukelstuhl, im Halbdunkel einer Dachterrasse, fragte er mich irgendwann nach dem Ring an meiner Hand. Und erfuhr so von Johannes. „Oh my god“, war das Einzige, das er hervorbrachte. Immer wieder. Erst entsetzt, dann klagend, schließlich unter Tränen. So viel Mitgefühl hat mich etwas irritiert, aber auch gerührt. Nun musste ausgerechnet ich also ihn trösten.

Selbst finde ich nach wie vor keinen Trost. Im Gegenteil: Seit ich auf dem Schiff bin, ist Johannes allgegenwärtig. Rund 50 Tage haben wir insgesamt mit Kreuzfahren verbracht. Praktisch alles hier an Bord verbinde ich mit ihm. Das Frühstück schmeckt geradezu nach Johannes, weil es bei Royal Caribbean bei aller Auswahl eben immer die gleichen Dinge gibt und weil wir beiden Spätaufsteher das Frühstück immer alleine zelebriert haben. Besonders schlimm waren – wie erwartet – das Einchecken, der erste Gang an Bord, die Sicherheitsübung an Deck und das Auslaufen. Allesamt eigentlich Momente der Vorfreude, in denen er mir so sehr fehlte, dass ich den Gedanken kaum beiseite schieben konnte. Überhaupt: Meine Verfassung hängt ganz einfach davon ab, wie sehr ich die Erinnerungen an mich heranlasse. Meistens, insbesondere in Gesellschaft, drücke ich lieber den Deckel auf die Gefühle. Am ersten Tag der Kreuzfahrt war das aber kaum zu schaffen. Spätabends, als meine drei Mitreisenden sich schon ins Bett verabschiedet hatten, bin ich also noch nach draußen gegangen, so weit nach vorne auf das Schiff, wie es geht, auf eine einsame Liege im Dunkeln und habe in die schwülwarme, sternenlose Nacht geheult bis ich keine Kraft mehr hatte. Das war dringend nötig.

Es ist knapp vier Jahre her, da hatte ich Johannes in einer ähnlich warmen Nacht auf einem Schiff in der Karibik ins Dunkel des Bugs geführt. Auf einer Bank saßen wir eng umarmt, während kräftiger, warmer Wind an uns zerrte. Ich erinnere nicht mehr die genauen Worte, die ich leise und bedächtig in sein Ohr gelegt habe. Aber ich habe von uns, von dieser Reise und der großen Reise des Lebens gesprochen, die ich gerne mit ihm verbringen wollte, egal wohin sie uns auch führen werde. „Willst Du auch? Willst Du mich heiraten?“ Er hat einen Atemzug lang gezögert, bevor er Ja sagte, aber wohl nur, um diesen magischen Moment noch etwas auszukosten. Die Entscheidung hatte er längst getroffen. Später haben wir dann mit unseren Freunden noch auf die Verlobung angestoßen. Zum ersten und einzigen Mal in meinem Leben war mir etwas wirklich Großes geglückt.

Unterwegs

Es ist so vieles passiert, seit ich zuletzt aus Bankgkok geschrieben habe. An dieser Stelle sei also nur kurz aufgelistet, was alles eine Erzählung wert gewesen wäre:

  • wie ich die thailändische Go-Association ausfindig gemacht und besucht habe, wo ich mir mit einem einheimischen Schüler zwei spannende Duelle lieferte.
  • wie ich verzweifelt versucht habe, eine Handvoll Thailändisch zu lernen, wie sich die Worte aber jedem Versuch der korrekten Aussprache entzogen haben.
  • wie ich mich Schritt für Schritt dem thailändischen Streetfood genähert habe, bis ich am letzten Tag sogar an vier Ständen zugeschlagen habe (toll!).
  • wieso dieser völlig irrsinnige, scheinbar regelbefreite Verkehr in der Stadt trotzdem auf wundersame Weise funktioniert – und das ganz ohne Hektik, Hass und Hupen.
  • warum ich nach zwei Thai-Massagen in Bangkok unbedingt eine dritte beim nächsten Thailand-Landgang haben will.
  • wie ich in Chinatown zufällig auf die Prozession einer buddhistischen Gemeinde stoßen bin. Das war Tradition ohne Folklore, mit echten China-Böllern, Feuer speihenden Drachen und wilden Trommeln.
  • weshalb Singapur und ich nicht wirklich Freunde geworden sind
  • Wie sich das kleinste Schiff der RC-Flotte bisher im Vergleich zu den Größeren schlägt, die wir sonst immer so gefahren sind.

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