… und noch eins und noch eins

Das Beste vorweg: Ich bin nicht abgestürzt. Der Flug mit Eva Air war ganz angenehm, ich durfte in der Premium Economy Class Platz nehmen und konnte mich in alle Richtungen ganz gut ausbreiten. So waren sogar vier, fünf Stunden Schlaf drin. Doch Kataströphchen Nummer drei ereilte mich noch kurz vor Abflug, als man mich am Gate ausrief und mir am Schalter erklärte, dass mein Gepäck es leider in den vergangenen Stunden nicht von Terminal 5 nach Terminal 2 geschafft habe Es werde mir deshalb mit dem nächsten BA-Flug am Dienstag nachgeschickt. „Bitte unterschreiben Sie hier, dass Sie damit einverstanden sind.“ Na toll, was sollte ich denn sonst tun?

Nach einigem hin und her am Bangkoker Flughafen, hat Eva Air schließlich versprochen, mir den Koffer, sobald er denn dort aufschlägt, in mein Hotel zu liefern. Bis ungefähr heute Mittag, sollte das gelingen. Nun ist es hier 15.30 Uhr und von meinem Koffer fehlt natürlich noch jede Spur. Also muss ich wohl gleich mal dort anrufen.

Gestern Abend bin ich dann notgedrungen durch ein nahe gelegenes Einkaufszentrum gestromert und durch die Straßenmärkte, die es abends gefühlt überall gibt. Bei H&M habe ich eine kurze Hose erstanden (überlebensnotwendig!) und auf den Märkten T-Shirts, etwas Unterwäsche und Kosmetika. Müde und erschöpft von Flug und Hitze, habe ich nur ein kleines bisschen gehandelt, aus Höflichkeit sozusagen, aber schnell eingewilligt und sicherlich immer zu viel bezahlt.

Die vierte Katastrophe folgte wenig später. Dank Jetlag ging`s mir nach Mitternacht eher wieder besser, also bin ich noch in eine nahe Disko gegangen, die legendäre DJ Station. Dort sollte es jeden Abend voll sein – was ich nur bestätigen kann. Ein putziger Thai mit reichlich Bezug zu Deutschland hat mich angesprochen, was überraschend nett wurde. Also sind wir später noch ein Bier in der berüchtigten Khaosan Road trinken gefahren. Auf dem Rückweg im Taxi ist mir dann offenbar mein funkelnagelneues iPhone aus der doofen, neuen Hose mit ihren schlabberigen Taschen gerutscht. Sekunden nach Ankunft ists mir aufgefallen, aber das Taxi war schon wieder weg. Und dann wurde es dramatisch: Mein lieber Begleiter telefonierte auf mein Drängen hin sofort mit der Taxi-Gesellschaft, die versprachen, per Funk nach dem Handy zu fahnden. Kaum aufgelegt, machte er mir aber wenig Hoffnung: „If it`s in the Taxi, you have no chance.“ Das bestätigte mir wenig später auch der Junge von der Nachtschicht im Hotel. Wenn Thais etwas Wertvolles finden, dann behalten sie das auch. Abgeben? Fundbüro? Finderlohn? Alles unbekannt.

Doch ich habe noch nicht aufgegeben: Mit dem iPad konnte ich mein iPhone orten. Es war noch ganz in der Nähe, der Punkt auf der Karte metergenau. Supasit, der junge Portier, schmiss sich sofort in sein Auto, mich auf den Beifahrersitz und wir sind losgebraust. Das Taxi leider auch – plötzlich war es acht Kilometer weit weg. Supasit hat das nur angespornt, er hat filmreif alles weggehupt, was sich in den Weg stellte, hat todesverachtend rote Ampeln überfahren, hat mir zwischendurch mit seinem Handy den Netzzugang für die Ortung verschafft. Wir waren ein tolles Team. Doch je näher wir dem Zielpunkt kamen, desto ungenauer wurde die Ortung. Schließlich war es nur noch ein Radius von etwa zwei Kilometern. Und da ist selbst nachts ein parkendes Taxi in Bangkok kaum aufzufinden. Supasit legte sogar mehr Elan und Optimismus an den Tag als ich – was etwas heißt – aber nach einer halben Stunde durch die Schlaglöcher eines dubiosen Viertels, hat er sich zur Aufgabe überreden lassen.

Nach drei Stunden komatösen Notschlafs habe ich mich hochgequält und noch einen letzten Versuch unternommen. Meinem vermissten iPhone ging nämlich der Saft aus, den Batteriestand meldete es permanent an mein iPad. Doch was ich nachts in der Hektik übersehen hatte: Man kann verlorenen iPhones auch eine Nachricht schicken, die ohne Sicherheitsabfrage im Display erscheinen. Entdeckt, getan: „If you find this iPhone: My name is Erik Schweitzer, i give you a reward of 4000 Baht, if you return it to my hotel, Adress…“ Und eine Telefonnummer.
Zwei Minuten später klingelt es auf meinem Zimmer: Eine Frau sagt etwas auf Englisch, irgendetwas von einem iPhone. Hurra! Ich denke, es ist die Rezeption, aber es ist die Finderin selbst. Leider verstehe ich nicht, wo sie sich zur Übergabe treffen will und sage ihr, sie soll nochmal anrufen und es dem Hotelpersonal erklären. Sie willigt ein. Doch seitdem ist kein Anruf an der Rezeption mehr eingegangen. Ich vermute, dass sie von meinem iPhone aus angerufen hatte, dem dann die Puste ausging. Jetzt wird sie hoffentlich versuchen, es irgendwie aufzuladen und mich wieder kontaktieren. Ich bin da ganz optimistisch, weil 4000 Baht immerhin 100 Euro sind. Viel Geld für mich, aber noch viel mehr für die meisten Thais.

Soweit die Lage. Ich bin fassungslos, wie viel Pech in so kurze Zeit passt, aber ich weiß inzwischen ja,  dass das Leben nicht fair ist.

1 Comment

  1. Claudia Opitz

    15. Oktober 2015 at 2:51

    Lieber Erik,

    du bist gelandet… und bitte,bitte.. alles ein bisschen langsamer angehen… alles ist gut… und alles wird gut… mit der Zeit..
    deine Freundin Claudia mit Burkard im Herzen und Leben… und man muss es nicht schreiben, aber fühlen … das fühlst du ja genauso… deinen Johannes

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